Gestern war ein irrer Tag. Ich wollte einem Bekannten einen gefallen tun, seine Schwiegereltern kurz zum Bahnhof nach Köln bringen, da er keine Zeit hatte. Ziel der Zugfahrt war Wien, die Fahrt sollte mit einem ICE bestritten werden. Abfahrt am Hauptbahnhof in Köln: 9.53 Uhr. Ich stellte mich auf einen kurzen Trip ein, nahm nichts mit und ging davon aus, spätestens gegen Mittag wieder zu Hause zu sein.
Kurz vor acht bin ich bei meinem Bekannten und wir packen das Gepäck in den Land Rover. Die Schwiegereltern nehmen Platz und um 8.00 Uhr fahren wir los. Alles läuft super, ein wenig Stau rund um Köln haben wir eingeplant. In Aachen fahren wir auf die Autobahn und los geht es. Irgendwo nach Düren kurzfristig zähfließender Verkehr – kein Problem, wir liegen gut in der Zeit. Ein leichter Stau an irgendeinem Kölner Kreuz – kein Problem. Wir erreichen die Ausfahrt Klettenberg. Das Navi meint, wir wären mit genügend Puffer da. Leider stehen wir in der Ausfahrt ewig. Die Luxemburger Straße – immerhin eine Landstraße – ist dicht. Ich habe keine Möglichkeit, dem Stau zu entfliehen. Das Reißverschlussverfahren scheinen viele Verkehrsteilnehmer direkt nach der Fahrschule vergessen zu haben. Das Navi berechnet die Ankunftszeit immer wieder neu, nur nähern wir uns kaum. Außer zeitlich der Abfahrt des ICE.
6,7 Kilometer bis zum Ziel, aber kaum noch Zeit. Ich hoffe auf die Unpünktlichkeit der Bahn und gebe Gas, als dies endlich wieder möglich ist. Der Kölner Hauptbahnhof beziehungsweise die Straß0en sind eine einzige Baustelle, die Ansagen des Navis passen nicht zur Beschilderung, Bauarbeiter können bei der Parkplatzsuche nicht helfen. Wir finden einen Platz, alten verbotenerweise und sprinten samt Gepäck los. Auf der Rolltreppe lese ich die Anzeigentafel, auf der 5 Minuten Verspätung stehen. Ich komme auf dem Bahnsteig an und sehe das Heck des noch stehenden Zuges, der sich just in dem Moment in Bewegung setzt. %$&!!&§!
Bis jetzt hat die Deutsche Bahn nichts falsch gemacht. Aber hier stehe ich nun und versuche den älteren Mitmenschen auf englisch zu erklären, dass dies ihr Zug war. Dann suchen wir eine Lösung. Mein Bekannter schaut ins Netz und stellt fest: in Frankfurt fährt der Zug erst um 12.21 Uhr ab, es ist jetzt 10.00 Uhr, das schaffst Du! Das Navi ist nach Eingabe des neuen Ziels anfänglich nicht der Meinung, korrigiert seine Einstellung aber auf der Autobahn recht schnell. Wir sollen gut 45 Minuten vor Abfahrt eintreffen.
Die A3 ist relativ leer, trocken und somit tiefflugtauglich, wobei der Land Rover, der wie eine Schrankwand im Wind steht, bei 190 km/h abregelt. Gut, 187 km/h tun es auch und so erreichen wir tatsächlich mit ausreichendem Puffer unser Ziel: Frankfurt Hauptbahnhof. Dort ist die Parkplatzsituation ähnlich angespannt, ich entscheide mich ob der naheliegenden Abfahrt für einen Kurzzeitparkplatz (30 Minuten). Wir entern den Bahnhof.
Auf der großen Tafel taucht der Zug auf – ohne weitere Bemerkungen. Wir begeben uns zum Gleis und ich erkläre den Rentnern, dass der dort stehende ICE nicht ihrer ist, da wir viel zu früh seien. Der ICE nach Hamburg verlässt das Gleis. Auf einer kleineren Anzeige taucht “unser Zug” – diesmal mit dem Hinweis: gestrichen. Äh, ja nee, is klar. Rein ins Reisezentrum. Der Zug, den wir in Köln (jetzt glücklicherweise) verpasst haben, steckt wegen eines Defekts in Bingen fest, inkl. aller Reisenden. Einen Ersatzzug soll es nach derzeitigem Kenntnisstand nicht geben.
Also ändert die freundliche Mitarbeiterin die Sitzplatzreservierungen auf einen anderen regulär nach Wien fahrenden ICE, der um 14.16 Uhr abfahren soll. Das einzige “Problem” wäre also jetzt die Wartezeit. Während ich dies den Schwiegereltern meines Bekannten zu erklären versuche, stoßen immer mehr Leute dazu, die ebenfalls mit dem Zug um 12.21 Uhr fahren wollten und nun fassungslos abwechselnd auf das leere Gleis und die mittlerweile leere Anzeige darüber starren und dabei gespannt meinen Erklärungen lauschen.
Ein Bahnmitarbeiter nähert sich wie zufällig und wirft nun ein, dass es doch einen Ersatzzug geben wird, dieser aber mit 45 Minuten Verspätung unterwegs ist. Das passt nur halbwegs zur danach folgenden Anzeige, die nur 20 Minuten Verspätung angibt. 10 Minuten später dann allerdings schon 40 Minuten und kurze Zeit darauf schon 60 Minuten. Toll, wie flexibel man in solchen Dingen bei der Bahn ist. Dafür sollten sie einen Preis erhalten.
Ich erkläre den Herrschaften, wann sie mit welchem Zug fahren können, dass es im Ersatzzug für niemanden eine Sitzplatzreservierung gibt und wann sie ungefähr in Wien ankommen müssten, wenn die Deutsche Bahn nicht noch mehr von ihrer erwähnten Flexibilität an den Tag legt.
Nach einer gut einer Stunde begebe ich mich dann zum 30-Minuten-Parkplatz, bezahle 4 Euro und fahre gen Heimat. Mit dem Geld der Schwiegereltern tanke ich den Wagen, denn natürlich hatte ich keinerlei Geld dabei, das Auto war in Frankfurt aber fast leer. Aus dem geplanten Zweistundentrip wurde so mit diversen Staus auf der Rückfahrt mal eben ein achtstündiger Ausflug mit diversen Rückschlägen und Ärgernissen.
Nächstes Mal fliegen sie vermutlich wieder …