In einem Alter Mitte der Dreißiger kann man sich zum Thema Sport ruhig mal Gedanken machen. Wie war es früher? Wie ist es jetzt? Wie könnte es in Zukunft sein?
Meine bisherigen sportlichen Erfahrungen sind eher nicht erwähnenswert. Abgesehen von der mehr oder eher minder erfolgreichen Teilnahme am schulischen Sportunterricht, meldeten mich meine Eltern vor langer Zeit zum Judo an. Der kleine Marco schaffte immerhin die erste Prüfung zum gelben Gürtel, musste dann aber wieder aufhören, da sich die Fall- und Wurfübungen nicht mit der Kindermigräne vereinbaren liessen.
Ausgewachsen wies ich dann eine Körperlänge von rund 1.93 m auf (die Angabe variiert je nach dem, wer misst). Dazu aber nur ein Gewicht von 72,5 kg. Auf deutsch gesagt war ich ein eher schmächtiges Kerlchen, ein Strich in der Landschaft. Dies führte pauschal schon mal zu diversen Rückenproblemen.
Während der Zeit in der Höheren Handelsschule wurde ich zusammen mit einem Klassenkameraden Mitglied in einem Fitneßstudio. Dicke Muckis waren das Ziel. Während mein Kumpel den Umfang seiner Arme und sonstiger Extremitäten beeindruckend vergrößern konnte, blieb ich der dünne Hering – obwohl ich stärker wurde und die gleichen Gewichte stemmen konnte wie er. Sehr niederschmetternd. Ein Austritt lag also nah und wurde auch vollzogen.
Nach der Schule “durfte” ich zur Bundeswehr. Als damaliger Hypotoniker (Blutniederdruck – kommt gerne bei großen, dünnen Menschen vor) war die Entscheidung mich mit T3 zu mustern zwar nicht nachvollziehbar, aber man musste sich dem halt beugen. Beim ersten längeren Marsch mit vollem Gerödel durften wir uns alle 10 m in den Straßengraben werfen. Als ich nach dem 2. Mal allerdings nicht mehr aufstand (Blutdruck 60 zu nicht mehr messbar), war mir eine Rückfahrt im Tonner sowie eine Ausmusterung mit T6 sicher.
Nach einiger Zeit verschwand der Blutniederdruck. Mit ein paar Leuten stürzte man sich nun auf die Sportart Badminton. In der Schule noch belächelt (wir spielten “Federball” im Sitzen, hatten Spaß und entsprechend schlechte Noten), gaben wir uns diesmal richtig Mühe. Ich hielt mich gar nicht für so schlecht, bis eines Tages zwei Sportasse den Nachbarplatz gebucht hatten. Nach 2 Minuten Beobachtung des Spiels der Cracks war klar, dass wir nichts konnten. Diese Erfahrung so wie der Umstand terminlicher Differenzen ließ unser Engagement schnell im Sand verlaufen.
Es folgte eine Sportart, die von vielen nicht als solche angesehen wird: Billard. Regelmäßig trafen ich mich mit einem Arbeitskollegen zum Spiel – bis auch das weniger wurde und letztendlich stoppte. Radfahren ist auch ein interessantes Thema: als Jugendlicher ständig mit dem Velo unterwegs (auch wirklich weite Strecken), fiel das Interesse an unmotorisierten Zweirädern schlagartig mit dem Erwerb des 1. Führerscheins, der zum Führen eines Leichtkraftrades bemächtigte. Als der Führerschein Jahre später mal einen Monat Urlaub machte, wurde ein Fahrrad für die täglichen Fahrten zur Arbeit angeschafft. Das war toll. Man hätte es beibehalten sollen. Tat man natürlich nicht. Der Monat war rum und schon startete die morgendliche Parkplatzsuche vor dem Büro wieder. Als das Fahrrad später noch mal zum Einsatz kam, legte ich mich aber mal so richtig auf die Schnauze und seit dem steht es im Keller.
Die letzte sportliche Betätigung folgte in der Zeit der Arbeitslosigkeit. Die Aussicht auf eine Stelle im Beamtentum lockte. Allerdings gehörte zum Einstellungstest auch ein Sportteil. Während alle anderen Leistung durchweg als gut zu bezeichnen waren, ließ mich der Sporttest trotz (sicherlich zu wenig) Vorbereitung scheitern. Vielleicht aber auch gar nicht so schlecht.
Das war es dann mit den überschaubaren sportlichen Tätgkeiten. Es folgten Motorsport und weitere interessante Sportarten – allerdings nur vom Sofa aus im Fernsehen betrachtet. Und trotz der schlechten Essgewohnheiten – morgens Westernfrühstück (Kippe und Kaffee), mittags feste Nahrung (Brot) und abends warmen Essen, sowie nachts bei Bedarf noch eine fetttriefende Tiefkühlpizza – hielt ich mein Gewicht. Bis zum Alter von 29.
Als ob man einen Schalter umgelegt hätte, änderte sich alles mit der magischen 30. Meine Frau wurde mit unserer Tochter schwanger und es schien, als würde ich aus Solidrität ebenfalls eine Kugel bekommen. Doch meine Frau entband, ihre Kugel verschwand und meine blieb. Leider war der Bauch die einzige Stelle am Körper, die dicker wurde. der Rest blieb dürr. Also sehe ich nun aus, wie ein schwangeres Topmodel. Zugegeben: ganz so drastisch ist es nicht, trage ich ein Sweatshirt und stehe zur Abwechslung mal gerade, fällt es kaum auf. Aber wenn ich ins Hohlkreuz gehe …
Seit Jahren überlege ich, was man so an sportlichen Aktivitäten unternehmen könnte. Die Arbeitslosigkeit sorgte zwangsläufig für genügend Zeit, während einem der HartzIV-Satz aber jegliche beitragspflichtige Mitgliedschaften in einem Sportverein versaute. Natürlich gibt es genügend Sportarten, die sich (zumindest anfänglich) kostengünstig betreiben lassen: Laufen, Radfahren, etc.
Aber da ist ja noch ER: der innere Schweinehund. ER nimmt einem gerne das letzte Quäntchen Motivation. Das ich nicht der einzige “Hundebesitzer” dieser Art bin, konnte ich jetzt bei Ralf lesen, der ebenfalls noch mit der Erziehung des Tieres kämpft. Er sucht Leidensgenossen – vielleicht schliesse ich mich an.
Und wenn ich groß bin, werde ich vielleicht ähnlich wie tAXMAN über große Erfolge im sportlichen Bereich berichten können. Drückt mir die Daumen!
Sixpack – ich komme!