Gestern war es soweit. Martin hatte zum Hallentreffen geladen, denn die Halle ist derzeit leer, so dass dort einige Wohnmobile rein passen.
Angesagt war also Schrauben, Grillen und Quatschen. Und ich wurde von Martin und Michael genötigt mit dem Rad dort aufzutauchen. Meine Frau, die mit einer Freundin zum Kino verabredet war und somit nicht mit konnte, bot an, einen Salat zu machen. Also wurde eine Monstertupperschüssel mit Schichtsalat befüllt, den sie dann obendrauf mit einem Guten Appetit-Schriftzug dekorierte.
Meine Bedenken, dass der Salat niemals im Leben genau so dort ankommen würde, schlug sie in den Wind. Schüssel gerade in einen Rucksack gestellt und los. Ich puhlte mein ATB aus dem Keller, erhöhte den Luftdruck nochmals und los ging es. Bis zum Hauptbahnhof schob ich mein Rad, da ich bis dort mit Frau und Kind unterwegs war. Dann trennten sich unsere Wege und es folgte die erste richtige Fahrt nach gut 5 Jahren. Laut Google maps waren es rund 3,2 Kilometer, größtenteils bergab oder ebene Strecke. Doch selbst das merkte ich recht schnell in den Oberschenkeln. Außerdem rutsche mein Sattel immer wieder in die unterste Position – na toll, noch ein Mangel.
In der Halle angekommen parkte ich mein Rad neben denen von Martin und Michael. Irgendwie wirkte meins recht klein. Das lag wohl daran, dass Martins Rad einen viel größeren Rahmen hat. Er hielt mein Fahrrad für mich eigentlich auch für zu klein. Aber dazu später mehr.
Natürlich behielt ich in Bezug auf den Salat recht – nach dem ersten Öffnen der Schüssel ergab sich obiges Bild.
Es folgte ein Gang durch die Halle und ein Blick auf die verschiedenen Fahrzeuge, die sich eingefunden hatten.
Alle hatten sich in Reihe aufgestellt und die jeweiligen Besitzer waren mit verschiedenen Arbeiten an ihren mobilen Behausungen beschäftigt.
Besonders beeindruckend wirkte auf den ersten Blick der MAN LE 10.222 4×4 BB von Günther. Ich kannte diesen nur von Bildern aus dem Internet, aber so live vor 3,50 m Höhe zu stehen war schon was anderes.
Günther selbst meinte, dass der Wagen im Vergleich recht klein sei, Bekannte von ihm hätten z. B. Vierachser oder ausfahrbare Dächer.
Dann wurde der Grill angezündet. Um das Ganze etwas zu beschleunigen nutze Michael sein riesiges Lungenvolumen und pustete was das Zeug hielt. Ok, dem aufmerksamen Betrachter mag der Schlauch im Hintergrund aufgefallen sein. Hier des Rätsels Lösung:
Druckluft machts möglich. Schnell wurden Tische und Stühle aus diversen Wohnmobilen zusammengestellt und das “große Fressen” begann.
Kaum den letzten Bissen runtergeschluckt, räumte Martin schnell einen Arbeitstisch frei, um dort mein Fahrrad zu platzieren. Zaghaft wurden erste Diagnosen gestellt, Lösungsvorschläge diskutiert. Dann kam Pascal noch dazu. Anscheinend kein Freund vieler Worte, griff er direkt zum Werkzeug und zerlegte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Anscheinend wusste er, was er tut (ich hätte das im Leben nicht wieder zusammen bekommen.
Es wurde viel mit der Schaltung experimentiert, gesäubert, geölt und eingestellt. Dann funktionierte alles wieder. Der Mantel des Hinterrades ist Müll und sollte in Kürze ersetzt werden.
Es folgte noch ein kurzer Werkzeugeinsatz am Schnellverschluß der Sattelstütze, damit diese nicht immer in den Rahmen rutscht. Mit Martins Hilfe stellten wir den Sattel noch auf eine für mich passende Höhe ein. Gegen 22.00 Uhr machte ich mich auf den Heimweg, streckenweise begleitet von Michael und Pascal. Leider geht ein Gang der vorderen Blätter noch immer nicht richtig, der Rest lässt sich aber sauber durchschalten und auch der Sattel bleib in Position, was die 4,3 km lange Heimfahrt angenehmer als die Hinfahrt gestaltete.
Nun stehen noch ein paar Kleinigkeiten auf dem Programm, um das Rad alltagstauglich zu machen: Schutzbleche (wobei der Name für die Plastikdinger ja dann eigentlich falsch ist), Beleuchtung und eine Klingel (es sei denn, ich schreie die Hindernisse einfach an).
Dann erst mal Radeln und sehen, was noch verbesserungswürdig ist. In diesem Zusammenhang wurde auch schon über meine bescheidene Federgabel diskutiert. Aber damit habe ich sicherlich noch etwas Zeit.
Mein aktuelles Fahrrad ist eigentlich kein Fahrrad, sondern ein ATB. Aber dazu später mehr. Beginnen wir in frühester Kindheit. Ich war wie viele andere Jungs und genoss die mobile Freiheit, die einem ein Fahrrad vermittelte. Diese Freiheit begann mit diversen Rädern an die ich mich nicht mehr erinnere und von denen es auch keinerlei Bildmaterial gibt.
Zur Kommunion bekam ich dann ein BMX – Rad, dass mein Vater irgendwie gebastelt und lackiert hatte (wenn ich mich recht entsinne). Es war hellblau und hatte gelbe Felgen sowie einen gelben Lenker. Eins hat sich in mein Gedächtnis allerdings eingebrannt: es war schwer – sehr schwer!
Im Hintergrund sieht man übrigens den Granada meines Vaters, aber dazu werde ich in einem extra Beitrag noch etwas schreiben.
In der Radlaufbahn folgte ein eigenes Rennrad, welches ich auf eigener Achse über die damals noch mit Grenzposten besetzte Grenze von Belgien nach Deutschland überführte. Irgendwann “erbte” ich das zum Tourenbike modifizierte Rennrad meines Vaters. Keine Ahnung was aus den ganzen Dingern geworden ist. Es folgte eine Zeit ohne Fahrrad, da man ja mittlerweile motorisiert war.
Bis zum Jahr 2000. Die 160 km/h, die ich mit unserem BMW beim Überholen eines Opas in seinem Mercedes erreichte, gefielen dem Polizisten, der auf einmal mit der Kelle auf der Landstraße stand nicht so gut. Das einmonatige Fahrverbot führte dazu, dass ich mir Gedanken machen musste, wie ich den täglichen 12 km langen Weg zur Arbeit bewerkstellige. Einige Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln liessen mich an dieser Lösung schnell zweifeln. Die einzige Alternative blieb ein unmotorisiertes Fahrzeug.
Ich wälzte Zeitschriften und Kataloge und war eigentlich der Meinung, dass ein Mountainbike genau das Richtige für mich sei. Nachdem ich mir einige Modelle und Ausstattungsvarianten rausgesucht hatte, machte ich mich mit gesammelten Informationen auf zum ersten großen Fahrradladen. Dieser bot aber nur so Hightech-Superteuer-Vollausstattungs-Markenräder an, die weit über dem Budget lagen.
Zu guter Letzt führte mich mein Weg dann zu einem kleinen, aber feinen Fahrradgeschäft im Osten der Stadt. Dort riet man mir von einem Mountainbike ab. Die Begründungen waren klangen plausibel: zum Einen wollte ich nicht wirklich im richtig unwegsamen Gelände fahren, zum Anderen sorgte meine Körperlänge von über 1,90 m für eine Sitzhaltung, die der eines Affens auf dem Schleifstein in nichts nachstand.
Man zeigte mir ein so genanntes All Terrain Bike (ATB), dass im Gegensatz zum MTB größer war. Die 28er Reifen waren auch dünner und somit eher straßentauglich, als die breiten und grobstolligen Reifen eines Mountainbikes. Ansonsten war die Ausstattung ähnlich karg: kein Licht, keine Schutzbleche, kein Gepäckträger. Kurz: kein unnötiges Gewicht.
Aber immerhin hatte es vorne schon eine Federgabel sowie einige Shimano-Bauteile. Nach einer kurzen Probefahrt um den Block und einer fast noch kürzeren Preisverhandlung verließ ich den Laden samt Fahrrad und einem dicken Schloss, das ich bei den Verhandlungen noch dazu bekam. 1.150,- DM habe ich damals bezahlt, immerhin rund ein halbes Monatsgehalt.
So bestritt ich nun den täglichen Arbeitsweg, der sich dank entsprechender Abkürzungen auf rund 10 km verkürzen ließ, mit dem Rad. Bis eines Tages mein Führerschein zurück kam. Danach wurde das Rad fast gar nicht mehr bewegt, außer bei diversen Umzügen in den LKW rein und wieder raus.
Ca. 2005 fuhr ich nochmals damit. Reichlich ungeübt, aber voller Tatendrang hüpfte ich vom in 10 Metern Reichweite durch Mülltonnen versperrten Gehweg auf die Straße. Leider verdrehte sich beim Aufkommen das Vorderrad, schlug mir den Lenker aus der Hand und ließ mich über selbigen nach vorne absteigen.Ich verschwand beim Notarzt, das Fahrrad in der Garage. Bis zum nächsten Umzug.
Dann musste es leider draußen stehen, was für den Zustand, der hier auf den Bildern zu sehen ist, nicht gerade förderlich war. Es kam noch das ein oder andere mal zum Einsatz, vegetierte aber die meiste Zeit vor sich hin.
Wir zogen in unser aktuelles Domizil, in dem es immerhin einen Gemeinschaftsfahrradkeller gab. Da dieser aber immer mehr einer Fahrradwerkstatt bzw. einem Fahrradfriedhof gleicht, fand das MTB schnell in unserem abgeschlossenen Kellerraum einen Platz.
Da stand es dann bis zum heutigen Vormittag, als ich es mal aus dem Keller holte, um diese Bilder zu machen. Und warum? Weil ich in diesem Beitrag mitteilte, dass mein Arzt mir Sport bzw. genauer gesagt Laufen empfohlen hat. Allerdings ist Joggen ja nicht so meins.
Und da kamen Martin, der Hobbyradler und Michael, der Fast-Alpen-mit-dem-Rad-Überquerer, dass ich auch mal mit ihnen Radfahren sollte. Dazu musste aber erst einmal der aktuelle Ist-Zustand des Rades festgestellt werden.
Nun gibt es halt Rost an diversen Stellen, die Reifen sind platt, der Sattel eingerissen (war eh nicht bequem). Ich erinnere mich, dass die Schaltung bei den letzten Fahrten schon nicht mehr sonderlich präzise war. Mal sehen, was noch einzustellen und zu reparieren ist, um es wieder einsatzfähig zu machen. Eigentlich hatte ich noch eine Inspektion bei Stassen frei, aber ob die das nach 10 Jahren noch einlösen?
Ein Austausch des ganzen Rades kommt aus finanziellen Gründen jedenfalls nicht in Frage und so hoffe ich, dass wir es repariert bekommen. Und dann geht es los – also wenn der weiße Kram weg ist und man nicht wie ein Michelin-Männchen gekleidet durch die Gegend radeln muss.
Ja, die Ökos fahren gerne mit dem Rad. Der Umwelt zu liebe. Und natürlich sind diese modernen Fahrradsattel aus Plastik mit Gel-Kern total verpöhnt. Nur ein Sattel aus Leder, also einem echten Naturprodukt, kann hier zum Einsatz kommen. Und noch extremer wird das Ganze, wenn man das Rad einfach mal stehen lässt und sich die Fahrradbestuhlung vollständig dem Naturgedanken anpassen kann. Das sieht nicht nur Öko aus, das fühlt sich auch so an! Nur ob Mutti die GrasMoosflecken wieder aus der Baumwollhose bekommt, ist nicht überliefert.




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