Lange habe ich nach einem passenden Titel für diesen Beitrag gesucht, bis ich letztendlich zur Überzeugung gelangt bin, dass alleine der komplette Name dieses italienischen Geschosses schon für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Vor einiger Zeit erreichte mich mal wieder einer dieser merkwürdigen Anrufe: “Kommst Du mit? Ich muss mal testen, ob ich in einen Murciélago passe.” Wenn’s sein muss …
Natürlich war ich nicht wirklich gelangweilt. Wer hat schon mal eines dieser seltenen Exemplare aus der Nähe gesehen, geschweige denn drin gesessen? Ich kenne zumindest keinen. Am Standort des Roadsters angekommen erblickte man zuerst das gewaltige Heck mit den riesigen Rückleuchten sowie diversen Luftauslässen und einem mittleren Auspuffrohr, von dem jeder Lupofahrer träumt!
Wie selten dieses Fahrzeug ist, belegt die Tatsache, dass in Europa nur rund 5 Neuwagen verfügbar sind. Der Preis für die seit Ende letzten Jahres im Handel erhältliche Roadster-Variante beträgt derzeit rund 355.000,- Euro (in Worten: dreihundertfünfundfünfzigtausend). Wie sich dieser Preis zusammensetzt erfahren wir später – ob er gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Dafür erhält man eine Fahrmaschine, deren 12 Zylinder einen Hubraum von 6,5 Litern aufweisen und eine Leistung von 640 PS bereit halten. Die bringen den italienischen Stier bei Bedarf auf eine Höchstgeschwindigkeit von rund 330 km/h – offen versteht sich. Das Coupé legt noch mal 10 km/h drauf. Erstaunlicherweise soll der Roadster sogar Toupetträgerfreundlich sein, da man trotz fehlendem Verdeck im Innenraum von den immensen Windgeschwindigkeiten nichts mitbekommen soll.
Wo wir gerade bei Geschwindigkeiten sind: Im Ledergestühl Platz genommen bleibt der Blick direkt an einem Aufkleber haften, der an der Innenseite des Verdecks angebracht ist. Seine Bedeutung: Nicht schneller als 200 km/h fahren! Hört sich komisch an, ist aber so. Man sitzt also in einer 640 PS – Maschine und darf auf der Autobahn nicht an einem VW Passat vorbeiziehen? Ja, solange das Verdeck zu ist. Es besteht sonst die Gefahr, dass sich dieses einfach verabschiedet. Und man mag es kaum glauben, rund 8.000 Euro ruft Lamborghini für dieses Stückchen Stoff mit unverkleidetem Metallgestänge auf.
Weitere Ersatzteilpreise gefällig? Heckstoßstange rund 14.000 Euro – ohne Diffusor natürlich. Irgendwie muss man ja auf 355.000,- kommen. Auch wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass die Herstellung und die Materialkosten dieser Stoßstange genauso teuer wie ein ganzer Golf V sind. Aber was will man machen. Bestes Beispiel dafür, dass der gewillte Kunde gerne zahlt, ist das neue Entertainmentsystem von Kenwood mit Touchscreen zur Steuerung von Musik, DVD und Navigation. War vorher noch ein wirklich gutes Navi aus dem Hause Audi verbaut, beschwerten sich die Lambokunden wohl über mangelnde Exklusivität. Nun gibt es das maßgeschneiderte Kenwood-System, das bei weitem nicht an das Audi-Navi rankommt – dafür ist es aber exklusiv. Ob es schnell genug ist, weiß ich nicht. Bestimmt gehört zu den Standardansagen der Navistimme folgender Satz: Huch, schon vorbei – wenn möglich, bitte wenden.
Insgesamt ein beeindruckendes Stück automobiler Ingenieurskunst. Wenn auch der Einstieg beschwerlich und das Platzangebot begrenzt ist. Und auch diverse Berichte über kuriose Mängel und Unfälle (siehe z. B. www.lambounfall.de ) sollte man nicht ignorieren, wenn man bereit ist, den Preis einer netten Finca in Spanien doch lieber in einen Supersportwagen zu investieren.
Die Bilder zu diesem Beitrag wurden wieder entfernt, um eventuellen Abmahnschreiben entgegen zu wirken. Lamborghini mag es angeblich nicht, wenn man Bilder von Lamborghinis veröffentlicht!