Wie in der Vorgeschichte bereits erwähnt hatte, ist es fast genau 20 Jahre her, als ich das letzte Mal einen Führerschein gemacht habe. Gut, man hat in der Zwischenzeit sicherlich aktiv am Verkehrsgeschehen teilgenommen, aber sind wir doch mal ehrlich: nach der Theorieprüfung hat man viele Dinge wieder vergessen. Wer weiß noch, wie man den Bremsweg berechnet? Ich nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich im Laufe der Jahre einen persönlichen Fahrstil angeeignet hat, der vermutlich weder dem Fahrlehrer noch dem Prüfer gefallen würde.
Mein damaliger Fahrlehrer hat aufgegeben (nein, nicht wegen mir) und betreibt nun eine Eisdiele. EIgentlich nicht tragisch, da ich auch wenig Ambitionen verspüre, erst einmal eine halbe Stunde durch die Gegend zu fahren, um in Aachen den Theorieunterricht zu besuchen. Also kurz das Internet durchforstet und festgestellt, dass es hier nicht sonderlich viel Auswahl gibt. Eine sagte mir nicht zu, also rief ich bei der anderen an.
Der Mann am anderen Ende war sehr freundlich, wenn auch etwas abgelenkt durch ein im Hintergrund schreiendes Baby / Kleinkind. Nach der Erzählung meiner Vorgeschichte gab es die erste interessante Info gleich am Telefon: ich benötige nur die Hälfte der Sonderfahrten, da mein alter 80er Schein (Klasse 1B, wie sie damals hieß) angerechnet würde. Allerdings relativierte der Fahrerlehrer das Ganze direkt wieder aufgrund der mangelnden Fahrpraxis, da ich vor rund 18 Jahren das letzte Mal ein Zweirad bewegt hatte.
Dann schlug er vor, sich abends nach dem Theorieunterricht zu treffen, dann würde er mir einen Kostenvoranschlag überreichen und erzählen, was noch so an Gebühren etc. anfällt. Denn seiner Aussage nach erzählen viele Fahrschulen wie günstig sie seien und das “nur” noch die Gebühren dazu kämen. Diese “Nebenkosten” sind aber nicht ohne.
Abends standen wir in der Fahrschule und hatten Spaß. Leute in meinem Alter gehören wohl eher selten zum Klientel, das Gros bilden die 17-Jährigen, die gerne den Autoführerschein hätten. Trotzdem war es ein witziges Gefühl, wieder in einer Fahrschule zu sein.
Das Angebot fiel mit 680 Euro verhältnismäßig günstig aus. Doch dann kamen die weiteren Kosten dazu: Sehtest, Passfotos für den neuen Führerschein, der neue Führerschein selbst, Gebühren bei Ämtern und dem TÜV für die theoretische und praktische Prüfung und natürlich das Lehrmaterial, da wir so etwas schon lange nicht mehr haben und es auch seit Juli 2011 wieder eine aktualisierte Version gibt. Und schon war man bei grob geschätzten 975 Euro, wobei wir einige Sachen geschätzt und bewusst höher bewertet haben, um später nicht überrascht zu sein.
Gut, es lässt sich an einigen, wenigen Positionen etwas sparen. So ist wohl zum Beispiel Lehrmaterial im Verwandtschaftskreis noch in aktueller Version vorhanden und eventuell können Übungsfahrten im privaten Kreis auf einem privaten Grundstück absolviert werden.
Letztendlich machte die Fahrschule einen guten Eindruck, der Fahrlehrer war ein sympathischer Typ und die Fahrschul-BMW in der Garage auch für meine Größe passend, denn man glaubt gar nicht, wie viele Fahrschulen nur kleine Moppeds haben, um auch kleineren Menschen den Führerschein zu ermöglichen.
Nun werde ich noch etwas Geld sammeln, mich dann anmelden und kann dann über den Winter in Ruhe die Pflichtstunden in der Theorie “absitzen” und mein Wissen diesbezüglich auffrischen. Dann folgt die Prüfung und dann hat man ja noch immer ein Jahr Zeit für die praktische Prüfung. Und so lange sie nicht wieder verfällt wie vor 20 Jahren …