Wir ziehen in das Randgebiet von Aachen, genauer gesagt nach Simmerath. Für die Einen schon tiefste Eifel, für die Anderen einfach nur ein Teil des Kreises (oder der Städteregion Aachen, wie es jetzt so schön heißt). Auch dort hätten wir gerne wieder Telefon und Internet. Und ich hoffe einfach, dass es nicht so ein Desaster wie bei meinem Cousin wird.
Eine erste Ernüchterung macht sich breit, als ich feststelle, dass unser bisheriger regionaler Anbieter zwar die Region, nicht aber Simmerath versorgt. Die Dame an der Hotline teilt mir freundlich mit, dass es eventuell möglich sei, den Vertrag vorzeitig zu kündigen, die Mobiltelefone mit den entsprechenden Verträgen könnten ja weiterhin genutzt werden, da diese ja ganz normal bundesweit funktionieren. Ich bedanke mich für die Information, verschweige aber, dass ich auf der Terrasse unserer neuen Wohnung maximal einen Balken im Empfangslogo meines Handys sehe und sich das Ding aufgrund der Nähe zur Grenze lieber im belgischen Mobilfunknetz, als in das E-Plus-Netz einbucht.
Nun gilt es Alternativen zu finden. Der rosa Riese mit dem T kommt eigentlich nicht in Frage – zu schlecht war der Service in der Vergangenheit, was letztendlich auch zu einem Wechsel zum derzeitigen Anbieter führte. Bleiben neben einigen kleinen und vor Allem mir unbekannten Anbietern nur 1&1 und Alice. Aber die Dame, mit deren Gesicht alle den Namen Alice verbinden, heißt eigentlich Vanessa und Marcell D’Avis will ich auch nicht drei Wochen lang durchfüttern, bis der Anschluss endlich läuft – vorher geht er ja nach eigener Aussage nicht.
Zähneknirschend tippe ich die Adresse der Telekom in die Adresszeile von Firefox. Ich lande im CMS-Dschungel der Telekom, werde von wechselnden Grafiken und Schriften überfordert. Fehlen eigentlich nur noch animierte gifs und das Chaos wäre komplett. Ich kann mich entertainen lassen, mir das neueste Zeug von Apple kaufen, und so weiter und so fort. Aber ich will doch nur einen Telefonanschluss und einen Internetzugang – am besten DSL. Nach einigem (meist falschen) Rumgeklicke lande ich bei einem Angebot das sich Call and Surf nennt. Dem Englischen nicht ganz abgeneigt bedeutet dies wohl genau das, was ich gesucht habe.
Ich will bestellen, scheitere aber bereits an der Anforderungsliste: man benötigt eine Rufnummer. Das ist schlecht, habe ich vor Ort doch noch gar keine Nummer. Muss ich jetzt zuerst ein Telefon beantragen und kann dann erst die tollen anderen Angebote dazubuchen? Ich sende eine Mail an den Support. Die Antwortmail ist ein Standardtext, der mir aufgrund eines Missverständnisses nicht weiterhilft. Ich fasse einen fatalen Entschluß: Ich werde bei der Telekom anrufen.
Nach dem Wählen der kostenlosen Hotline meldet sich ein weiblich klingender Sprachcomputer und ich mühe mich fast 5 Minuten mit dem Menü ab: Worum es geht will sie wissen. Ich treffe meine Auswahl, sie versteht mich nicht, fordert mich erneut auf. Ich wiederhole betont langsam meinen Wunsch. Sie kapiert es, verbindet mich aber nicht, sondern fragt mir weiter Löcher in Bauch. Es gipfelt in der Frage, ob es sich um einen Anschluß unter der Nummer handelt, von der aus ich gerade anrufe. Ich verneine. Dann will sie die Nummer des Anschlußes wissen, um den es geht. Da ich keine Nummer habe, schweige ich. Mit einem meinem Empfinden nach leicht säuerlichen Unterton teilt mir die Computerstimme mit, dass sie mich nicht verstanden habe und ich die Nummer nochmals nennen soll. Diesmal gibt sie alternativ aber auch die Möglichkeit vor, keine Nummer anzugeben. Was ich dazu sagen musste, weiß ich nicht mehr, aber ich tat es wie befohlen und bekam erneut zu hören, dass sie die Nummer nicht verstanden habe. Der verzweiflung nah gelingt es beim dritten Anlauf auch ohne Rufnummernangabe. Bevor ich nun endgültig mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden werde, wird mir erklärt, dass zwecks Qualitätssicherung einzelne Beratungsgespräche aufgezeichnet werden. Ein Einverständnis verneine ich, was sich später noch als Fehler herausstellen wird.
Der Mann am anderen Ende der Leitung rasselt seinen am Einstellungstag beim Call-Center gelernten Satz runter “Willkommen … bla bla bla … mein Name ist Horst Arschgesicht (Name von mir geändert) … was kann ich für Sie tun?” Sofort fällt mir die klischeehafte ostdeutsche Tonart auf, was ja nicht unbedingt etwas Schlimmes bedeuten muss. Ich wollte es nur anmerken, damit man sich das Telefonat besser vorstellen kann. Meine Wenigkeit spricht dialektfreies Hochdeutsch (meistens zumindest). Seine Einleitungssatz und die später folgende Verabschiedung sind die einzigen Sätze, die er fehlerfrei zum Besten gibt. Der Rest ist ein einziges Gestammel.
Zurück zum Gespräch: Ich erkläre ihm, dass wir umziehen und wir am neuen Wohnort gerne telefonieren und internetten möchten. Er kontert geschickt: “Rufnummer?” In meiner Fantasie läuft Arschgesicht vor haushohen Ziffern davon, wird aber letztendlich von der Null eingeholt und erschlagen. Meine Mitteilung, dass mir eine Rufnummer nicht bekannt sei lässt ihn ins Trudeln geraten. Wie soll er mich ohne Rufnummer nur beraten? Er bohrt nach: “Gab es in dem Haus schon mal Telefon?” Nun gut, dass Haus steht zwar in der (Nord-)Eifel, aber ich gehe davon aus, dass direkt nach der Elektrizität auch die Errungenschaften des Telefonierens dort Einzug gehalten haben – ein “Ja” meinerseits lässt ihn investigativ weiterforschen: “Wie war denn die Rufnummer?” So langsam keimt in mir der Gedanke auf, dass bei den in den Nachrichten immer häufiger zu sehenden Amokläufen eventuell die Killerspiel-als-Auslöser-Theorie überdacht werden sollte und man vielleicht mal prüfen müsste, ob der Amokläufer kurz zuvor in einem der wie Pilze aus dem Boden sprießenden Call-Center angerufen hat.
Ich entgegne, dass mir die Rufnummer des Vormieters nicht bekannt sei. Den Vorschlag, dass ich sie ja mal recherchieren könne, halte ich für einen Witz. Wo hab ich denn gerade angerufen? Wenn die Telekom keine Rufnummern kennt, wer dann? Es folgt der Vorschlag seinerseits, dass ich ja mal den Vermieter kontaktieren könne, um die Rufnummer in Erfahrung zu bringen. Ja nee, is klaar! Mein Einwand, dass der Vormieter bei einem Umzug innerhalb des Ortes die Rufnummer auch mitgenommen haben könnte, lässt ihn stutzig werden. In Anbetracht, dass diese Möglichkeit tatsächlich bestehen könnte, wird auch ihm klar, dass das System der Telekom Fehler aufweist.
Er fragt nach der Nummer eines Nachbarn, um wenigstens prüfen zu können, ob DSL verfügbar sei. Da der Vermieter im Haus wohnt, gebe ich dessen Nummer an. Bedächtiges Schweigen am anderen Ende der Leitung. Ich kann mir denken warum, denn die Überprüfung online ergab, dass es kein Ergebnis gab. Man merkt dem Arschgesicht die Nervosität an. Er stammelt irgendetwas vor sich hin, erklärt mir dann, dass er ein anderes Programm starten müsse. Dem Zeitaufwand nach scheint dies noch auf 12 Disketten ausgeliefert worden zu sein. Dann geht es weiter. Freudig verkündet er: “Wir können Ihnen DSL mit einer Geschwindigkeit von BIS ZU 3.000 kBit/s anbieten!” BIS ZU 3.000? Back to the roots? Da kommen doch maximal 1.000 an. Aktuell nutze ich 6.000, überlegte schon auf 16.000 hoch zu gehen, mittlerweile wird in Aachen sogar 25.000 bzw. 50.000er VDSL angeboten.
Da ich vermutlich froh sein muss, überhaupt DSL zu bekommen, bedanke ich mich artig für diese Info und erfrage die weitere Vorgehensweise. Nachdem mir erneut nahegelegt wird, doch die Nummer des Vormieters zu ermitteln und mich dann nochmals zu melden, rasselt er den auswendig gelernten Verabschiedungssatz runter, in dem er auch nach dem Eindruck der Servicequalität fragt. Scheint aber eher eine rhetorische Frage gewesen zu sein, denn noch bevor ich darauf antworten kann, hat Arschgesicht das Gespräch bereits beendet. Ich bin begeistert …


Mit der Rufnummer des Vormieters geht in der Tat vieles einfacher. Dass die Telekomm ein riesen Konzern ist, in dem auch nicht immer alles geradeaus läuft, sollte klar sein, aber manchmal stellen die sich auch wirklich dämlich an…
Mit Alice haben wir zumindest bei der Bestellung gute Erfahrungen gemacht, 0800er Nummer anrufen, fertig. Die Bestellung selbst war mit ein wenig Suspekt, aber das erzähle ich Dir mal in Ruhe, bevor Du da anrufen solltest
Fazit: Vielleicht bleibst Du wirklich bei Vodafone…
Das kannst Du mir bei der Kartonabholung ja mal in Ruhe erzählen.
Prinzipiell bin ich ja überzeugt von dem großen rosa Riesen, weil wir mit anderen Anbietern einfach erhebliche schlechtere Erfahrungen gemacht haben, die die “Fehler” der Telekom echt um einiges übertrumpfen können.
Zum Thema Vormieter kann ich dir nur sagen: das kann die Telekom def. innerhalb kürzester Zeit selbst herausfinden. Als Marco und ich 2002 den 1998 zuletzt genutzten Anschluss unseres letzten Mieters “reaktivieren” wollte [mit einer neuen Nummer], konnte mir die Dame sogar den Namen unseres letzten Mieters sagen.
Zum Thema Leitungsleistung nützt dir auch ein Verteiler in unmittelbarer Nähe nichts: mein Cousin, Telekom-Außendienstmitarbeiter, hat mir mal erzählt, dass in Brand unten an der Autobahnauffahrt der Verteiler steht. Damals war in Brand angeblich 6000 verfügbar. Bei meinen Eltern sind mal gerade 3000 angekommen. Schon mal die Hälfte Verlust auf einer Distanz von 2 km. Wird aber noch lustiger. Dieser Verteiler ist auch für einen Teil von Stolberg und Eschweiler zuständig. Mein Cousin, wohnhaft in Eschweiler-Hastenrath, wird wohl auch von diesem Verteiler beliefert. Resultat: bei ihm kamen noch 300 an. Mittlerweile kommen bei meinen Eltern, und auch bei meinem Cousin, mehr an, aber es ist in beiden Fällen nicht das angepriesene Mögliche.
[Ich würde ja mal gerne wissen, ob das einzelne Haus zwischen beiden Auffahrten das angepriesene Mögliche hat. Näher kann man ja schließlich an dem Verteiler nicht wohnen...]
Unabhängig von seiner Betriebszugehörigkeit rät mein Cousin allerdings von Alice ab. Meine Eltern wollten zwischenzeitlich auch mal wechseln [bzw. das bis dahin genutzte 56k-Modem gegen DSL eintauschen...] und hatten Alice ins Auge gefasst. Mein Cousin hat alle anderen Anbieter “empfohlen”, aber meinen Vater dringenst von Alice abgeraten. Ich müsste meinen Vater mal fragen, was mein Cousin bzgl. Alice genau zu bemängeln hatte und stattdessen ihm lieber 1&1 “empfohlen” hat.
Aber wahrscheinlich ist das alles eine Erfahrungssache, die bei dem einen gut läuft und bei dem anderen nicht. Für mich würde Vodafone z.B. nicht in Frage kommen. Das war der Internet-Anbieter im Hotel, sowohl für die Hotel-Gerätschaften als auch den Gast-Gerätschaften. Und wenn du glaubst, dass du ein lustiges Gespräch mit dem Herrn A… hattest, dann sollte ich dir mal ein paar lustige Gespräche mit der Vodafone-Hotline aus meiner aktiven Hotel-Zeit erzählen. Dass unser Hotel jeden Abend eine horrende Summe durch den Gast-Voucher-Verkauf eingenommen hat, hat bei Vodafone niemanden interessiert. Im Prinzip hat man min. jeden zweiten Tag die Hotline angerufen und davon wiederum jedes zweite Mal sich die Aussage
“Liegt eine technische Störung vor, die zzt. nicht behoben werden kann!”
angehört. Aber auch dies wurde noch übertrumpft: ohne das OK eines Vodafone-Mitarbeiters durften diese Gast-Voucher nicht storniert werden. Bzw. wurden sie ohne storniert, war das Hotel dem Gast gegenüber kulant, blieb aber auf den Kosten sitzen. Dieses OK in Form eines Storno-Codes hat man wiederum nur bei jeder vierten Störung erhalten. Also trotz eigener Mängel und der nicht vorhandenen Möglichkeit, diese zu beheben, hat Vodafone immer schön abkassiert. Wenn man also einem Geschäftskunden in Form einer großen französischen Ketten mit alleine über 400 Hotels in Deutschland [und wahrscheinlich war Vodafone auch im Ausland der Internet-Anbieter dieser Kette] keine Einsicht erbringen möchte, wage ich zu bezweifeln, dass man als kleiner Privatkunde dort irgendwie Oberhand gewinnen wird.
Aber, wie gesagt: bei dem einen so und bei dem anderen so…
P.S. Simmerath hattet ihr aber auch schon mal auf eurer Liste stehen, oder? Wieder das gleiche Dörfchen oder ein anderes?
“Ja, aber doch nicht in Simmerath!”
Seit ich heute morgen diesen Artikel gelesen habe, muss ich immer wieder an diesen einen Ausspruch von Willy Millowitsch in dem Bühnenstück ‘Der wahre Jakob’ denken…
Was die Geschwindigkeiten angeht, eine 3000er zu haben, wäre für mich schon das Maß aller Dinge…
@Alexa: diesmal Hauptort, aber Randlage.
@Spacefalcon: Hier gibt es auch noch Menschen, die mit einem 14,4k-Modem arbeiten – so isses ja nicht. Krass ist halt die Bandbreite, obwohl alles in einem PLZ-Bereich liegt. Manchmal machen hier ein paar Meter gleich 13000 Unterschied in der Geschwindigkeit.
Mittlerweile ist mir aber fast alles egal, Hauptsache irgendwie online, damit man Mails checkn kann und das ein oder andere Thema “googeln”.
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