Antwortet man auf die Frage “Und, was machst Du so beruflich?” mit “Ich bin Chauffeur.”, so entweicht dem Gegenüber meist ein anerkennendes, fast schon neidisch klingendes “Cool!”
Dies scheint bei fast allen Berufen, die etwas mit Fahren zu tun haben der Fall zu sein. LKW-Fahrer scheinen hier eine Ausnahme zu bilden, da sie eher als störend empfunden werden und so kommen hier nur wenigen Mitmenschen Gedanken vom Klischee-Fernfahrer in den Sinn, der CB-funkend aber dennoch einsam dem Sonnenuntergang entgegen fährt.
Klischees sind es auch, die für die weiter oben erwähnte Anerkennung sorgen. Die vorherrschende Meinung ist doch, dass z. B. Testfahrer in coolen Sportwagen die Küstenstraßen Südfrankreichs entlang fahren und Chauffeure eben auch mit dicken Bonzenschüsseln durch die Gegend cruisen und ansonsten viel Freizeit haben.
Die Realität sieht da allerdings etwas anders aus. Während der Testfahrer in einem noch nicht ganz durchdachten Kleinwagen wieder und wieder ein vorgegebenes Fahrprogramm abspult, um auch noch den letzten Mängeln auf die Schliche zu kommen, sollte ein Chauffeur vor Allem eines können: Warten.
Das ist es nämich, was der Cheffahrer häufig macht. Man wartet vor dem Büro des Chefs auf selbigen, der gerade noch ein Telefonat führt. Man wartet vor einem Bürogebäude in einer fremden Stadt, denn dort sitzt der Chef in einem Meeting – natürlich ohne eine Angabe der Dauer, so dass man sich nicht vom Fahrzeug entfernen kann, um z. B. die Stadt zu erkunden. Und so sitzt man im Wagen, liest zum hundertsten Mal den selben Artikel in der Bild-Zeitung und dreht Däumchen.
Heutzutage mag es etwas angenehmer sein. Moderne Fahrzeuge der Oberklasse verwöhnen mit digitalem TV und auch der Laptop und / oder das Handy sind in der Lage einem an fast jedem Ort dieser Erde den Zugang zum Internet zu ermöglichen, was dem Zeitvertreib zugute kommt, wenn man es sich dann leisten kann. Ich kann es nicht.
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Ein weiterer Nachteil ist, dass man bei Wind und Wetter unterwegs ist (wie jeder, der beruflich ein Fahrzeug steuert). Während ich mir privat noch überlegen kann, den Wagen auch mal stehen zu lassen, weil es gerade wieder 20 cm Neuschnee gab, ist es dem Chef relativ egal. Termin ist Termin also Abfahrt. Und so darf man sich dann mit widrigsten Straßenbedingungen und Winterschissern rumplagen, damit man halbwegs pünktlich am Zielort ankommt.
Und “so ein bisschen Autofahren” ist auch nicht so leicht, wie mancher Zeitgenosse sich das vorstellen mag. Der ein oder andere Leser ist sicherlich schon einmal 700 km mit dem Auto in den Urlaub gefahren und war bei der Ankunft relativ platt. Und nun stelle man sich vor, man mache dies jeden Tag …
Es gibt wie bei jedem Beruf Vor- und Nachteile, nur von einem “Traumjob Chauffeur” zu sprechen, dass können sich wohl nur aussenstehende Träumer erlauben. Letztendlich ist es auch nur etwas für Singles, denn man steht häufig auf Abruf bereit, weiß nicht, wann man wieder zurück ist und das halten wohl die wenigsten Beziehungen aus.


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