Es ist bereits dunkel als ich am frühen Abend zu Fuß zu meiner Mutter unterwegs bin. Ich passiere den Hauptbahnhof, vor dessen Haupteingang ein paar Angetrunkene lauthals über ihre sichtlich schlechte Lebenssituation diskutieren, während einer von ihnen die Multifunktionsmülltonnen nach Essbarem und nicht zu Ende gerauchten Kippen durchstöbert.
Ich überquere die Straße und bin fast am Ziel, als mir eine zwielichtige Gestalt entgegen kommt. Es ist ein junger Mann in merkwürdiger Aufmachung. Die bunt zusammen gewürfelten Klamotten haben schon seit geraumer Zeit keine Waschmaschine mehr gesehen und verbreiten eine entsprechende Duftnote. Accessoires wie Nietengürtel und diverse Aufnäher auf der Jacke erinnern irgendwie an die 80er Jahre. Trotz seines recht jugendlichen Alters wirkt er ausgemergelt. Die Plastikflasche irgendeines Discountergerstensaftes in seiner rechten Hand wird ihren Teil dazu beigetragen haben.
Der Mann bleibt kurz vor mir stehen, entschuldigt seine Ansprache und bittet um eine Zigarette. Während ich die Sargnagelpackung aus der Tasche ziehe, angelt er in seiner nach Kleingeld. Ich lehne dankend ab, schenke ihm die Zigarette, worauf er sich bedankt und noch einen schönen Abend wünscht. Anstand hat er ja.
Mehr als seine Umgangsformen überrascht mich jedoch der Hund, der ihn begleitet. Ein reinrassiger Dobermann, der im Gegensatz zu seinem Herrchen regelmäßig feste Nahrung zu sich zu nehmen scheint. Während der Mann und ich miteinander sprechen, nimmt der Hund auf ein kleines, fast nicht zu bemerkendes Handzeichen hin die „Sitz“-Position ein. Der Dobermann macht einen sehr gepflegten Eindruck.
Ich setze meinen Weg fort und überlege, wie man sich in der Situation, in welcher sich der Kerl befand, überhaupt einen Hund leisten kann. Auf dem Rückweg halte ich in der Nähe des Bahnhofs Ausschau nach den Beiden, kann sie aber nicht entdecken. Schade, ich hätte dem Hund gerne noch seine nächste Mahlzeit ermöglicht.


Tja Marco,
Hunde sind halt treue Gesellen, die Ihrem Herrchen gegenüber keinerlei Vorbehalte haben – egal wie es aussieht oder macht.
Jep,der Hund ist das einzige Wesen was andere mehr lieben kann als sich selbst, ich habe schon viele Obdachlose, Punker und “komische” Leute gesehen, die erst sich um den Hund gekümmert haben, dann um sich… ist halt der treue Freund… der Begleiter in der Nacht und der Seelentröster in der Not.
Ein Hund verlangt nichts, freut sich aber über jede Zuwendung, die er bekommen kann. Weil Hunde nicht in der Vergangenheit hängen und sich keine Sorgen um die Zukunft machen sind sie oft ein so guter Begleiter für Obdachlose und liegen in deren Gunst weit höher als das eigene Wohl.
Da habt ihr wohl alle Recht.
Dem kann ich mich nur anschliessen.
Du würdest Dich wundern, wieviele Hunde in sogenannten “geordneten” Verhältnissen schlimmer dran sind, als bei Menschen, welche ausser sich nur den Hund haben!
Tiere allgemein sind seit je her der treueste Freund/Begleiter – Freunde gehen Dir wegen Kleinigkeiten an die Gurgel – Tiere, welche sich der Zuneigung des Besitzers sicher sind, im Leben nicht!