Lahmes Internet

Vor einiger Zeit berichtete ich über meinen Cousin, der in ein kleines 100-Seelen-Dorf gezogen war. Dort gab es kein DSL und selbst die Bereitsstellung eines Telefonanschlusses stellte sich als spannendes Unterfangen heraus. Die Story findet ihr hier.

Das war 2008. Den Telefonanschluß hatte er ja noch erhalten, DSL war damals nicht möglich, die Möglichkeit über Satellit zu teuer.
Im Jahr 2009 war dieses Thema mal wieder ein Tagespunkt bei einer Versammlung der Anwohner. Hammer (so heißt dieser Teilort von Simmerath, was offiziell zu Aachen gehört und sich in der Voreifel befindet) sollte aber nun an das moderne DSL-Netz angeschlossen werden. Und tatsächlich begannen irgendwann die Arbeiten, es wurde gebuddelt und die Telekom verlegte eine Leitung.

Nun sind wir im Jahr 2010. DSL gibt es noch immer nicht. Es fehlt angeblich noch ein Teilstück entlang der Strecke. Ende 2010 soll es soweit sein. Das wurde aber acuh schon 2009 behauptet. Mein Cousin nutzt weiterhin 56k-Modem, um über die analoge Telefonleitung durch das Internet zu surfen. Wobei surfen hier nicht der richtige Ausdruck ist. Denn da die Seiten, die er häufig besucht (ebay, etc.), meist nur noch aus Grafikelementen bestehen, kann er während die Startseite geladen wird auch mal einen Kaffee kochen, diesen trinken und auch wieder wegbringen.

Eine Alternative musste her. Nun sah mein Cousin (recht unbedarft was EDV und so ein Zeug angeht) im Fernsehen die Werbung für einen UMTS -Stick. Warum auch immer kam er auf die Idee, dass ich ihm dazu Informationen geben könnte und rief mich an. “Wie schnell ist das denn?” war die erste Frage und schon musste ich passen, denn mit mobile computing hatte ich mich nie befasst (außer beim Nutzen nicht verschlüsselter WLAN-Zugänge bei Nachbarn ;-) ). Ich sagte ihm, dass ich mich informieren würde und versicherte, ihn dann anzurufen.

Wie es der Zufall so will, telefonierte ich tags drauf mit Jens. Dieser nutzt einen UMTS-Stick von D1, konnte mir sagen, dass man mit 7Mbits unterwegs ist, also schneller als mein 6.000er DSL. D1 gefiel mir gut, denn bei meinem Cousin steht ein Mast von denen, es ist das einzige Netz, mit dem man in dem Kaff Dorf Vollausschlag am Handy hat. Also informierte ich ihn, erwähnte nebenbei, das er gleich sein Uralt-PC subventioniert durch ein mobiles Pendant ersetzen kann.

Gestern war er in einem T-Punkt. Die Infos: UMTS gibt es nicht und als Endgeräte sind nur Netbooks zu bekommen. Er fragte, ob ich mit ihm zu einem großen Elektronikladen fahre und ich sagte “Klar, ich bin doch nicht blöd!” Die Werbeaussage “Das ist mein Laden!” konnte ich allerdings nicht unterstreichen, denn der eine Abteilungskundige war durchgehend mit Kunden überfordert beschäftigt. Also entschlossen wir uns spontan, den T-Punkt in der Innenstadt aufzusuchen.

Eigentlich bin ich kein Freund des rosa Riesen und war entsprechend skeptisch. Allerdings wurde ich insofern positiv überrascht, dass der Mitarbeiter, der uns beriet, sehr höflich und nett war, obwohl es kurz vorm Feierabend war. Selbst als die Kassen und erste Türen schon geschlossen wurden, beantwortete er geduldig unsere Fragen. Am Ergebnis änderte es wenig: kein UMTS. Allerdings stellte er heraus, das immerhin GSM möglich sei, was eine Geschwindigkeit von 128 kBits zulässt – immerhin das Doppelte von der Modemgeschwindigkeit. Mit einer Flat würden sich auch die Kosten im Rahmen halten, da beim heimischen Modem der Zeittarif für horrende Rechnungen sorgt. Und wenn mein Cousin wieder in der Zivilisation unterwegs ist, kann er ja UMTS nutzen.

Mal sehen, wie er sich entscheiden wird …

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10 Responses to Lahmes Internet

  1. André says:

    Da steht nen Mast von T-Com und der soll kein UMTS können? Mhhh…

    Frag doch einfach mal im Bekanntenkreis rum ob jemand, der T-Mobile im Handy hat Zeit hat dort vorbei zu fahren. Dann schaust ins Display ob da “3G” steht und schon weisst du ob da UMTS geht oder nicht.

  2. Marco says:

    Er selbst hat 2 Handys mit D1 Karte.
    Ich werde ihn mal fragen.
    Danke für den Tipp.

  3. André says:

    Die Handys selbst müssen aber auch UMTS können. Wenn die Karten älter sind kann es sein dass UMTS noch nicht freigeschaltet wurde. Ka ob das nich irgendwann mal automatisch gemacht wurde, je nach Anbieter denk ich mal.

  4. Marco says:

    Da bin ich nicht auf dem Laufenden. Er hat ein “Oldiehandy” und meines Wissens ein aktuelleres. Die Karten sind älteren Datums. Werde ihn drauf hinweisen.

  5. Jens says:

    bis zu 7.2 mbit/s ! Angeblich will T-Online ja demnächst bis zu 14,4 per UMTS können…

  6. Marco says:

    14,4 … die Zahl sagt mir was … ach ja, mein altes Analogmodem konnte das. Allerdings waren das keine Mbits :mrgreen:

  7. Ralf says:

    GSM mit EDGE erlaubt bis zu 220kbit/s. Ist kein EDGE verfügbar, sind es auch nur schlappe 55kbit/s!!

    Ob da ein Mast von der Telekomm steht oder nicht, hat mal gar nix zu sagen. Die Masten mussten für UMTS umgerüstet werden. Allerdings wurden nicht alle Masten umgerüstet, weil einfach zu teuer. Also hat man es bei UMTS genau so gemacht wie bei DSL. Da wo man dachte das es sich lohnen würde (Innenstadt, viele “reiche” Kunden) wurde UMTS flächendeckend eingerichtet. Auf dem platten Land (watt will Bauer Hein mit UMTS??) hatte man sich die Investitionen schön gespart.
    Und das ist ein Grund warum so viele sauer auf diese UMTS-Vermarkter sind. Angeblich sollte man damit ja lückenlos flinkefix im Internet unterwegs sein können. Gab ja riesen Buhei darum. Aber kaum biste aus der Stadt raus, haste im besten Fall noch GSM mit EDGE. Und UMTS ist ja auch nicht gleich UMTS. UMTS ohne HSDPA bringt auch “nur” 384kbit/s.
    Obendrein darf sich der “Geheimtipp” mit den UMTS nicht im Dorf rumsprechen. Denn alle Teilnehmer teilen sich eine Zelle. Jens hat wahrscheinlich Glück das er der einzige UMTS-Funker in seiner Zelle ist. Ansonsten würden die (theoretisch) machbaren 7,2Mbit/s auf alle Teilnehmer aufgeteilt. Bei 10 aktiven Teilnehmern hat man dann eben nur 720kbit/s zur Verfügung. Naja, schränken wir das noch weiter ein, die 7,2Mbit/s gelten nur für eine so genannte Pikozelle. Und die hat einen Radius von bis zu 400m um den Sendemast. Steht man 401m vom Mast entfernt, dürfte es schwer werden mit den 7,2Mbit/s.

    Holzauge sei wachsam, sage ich da nur…

  8. Marco says:

    So, Stick samt Notebook gekauft. Mal sehen, ob und wie es läuft, wenn es freigeschaltet ist.
    Letztendlich geht es auch gar nicht so sehr um die Geschwindigkeit, sondern um die Kosteneingrenzung.

    Ich werde aus der Praxis berichten.

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