Dr. Houseman

So nannte mich meine Frau letztens. Eine Wortspielerei aus der Fernsehserie “Dr. House” und meiner neuen Berufsbezeichnung “Hausmann”.

Denn meine Frau geht nun mehr Stunden arbeiten und dadurch bedingt bin ich nun Vollzeit-Hausmann. Nicht, dass ich nicht schon vorher gespült, gestaubsaugt und Wäsche gewaschen hätte. Auch das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine gehört schon länger zu meinen Aufgaben. Bügeln kann ich auch. Alles kein Problem. Da meine Frau aber nun auch nachmittags ihren Job ausübt, kommt ein weiteres Betätigungsfeld hinzu: kochen.

Das allerdings ist ein Bereich, aus dem ich mich bisher immer rausgehalten haben. Der Grund: ich kann es nicht. Okay, ich kann Wasser kochen ohne Wasserkocher, Kaffee kochen ohne Kaffeepadmaschine. Ich kann eine Fertigpizza in den Ofen schieben und auch wieder rausholen, bevor sie verbrennt. Und ich kann Ravioli in einem Tuppergefäß in der Mikrowelle erwärmen. Reicht für einen Single, jedoch nicht für einen verheirateten Familienvater.

In der Singlezeit war das noch cool. Ich wohnte in Solingen, hatte die Nummer des Pizzalieferdienstes in meinem Telefon auf der 1 gespeichert. Ich rief an, sagte meinen Namen, legte wieder auf und 20 Minuten später lag meine Pizza auf dem Tisch. Um für Abwechslung zu sorgen, hatte ich auf der 2 einen Chinaimbiss mit Lieferservice gespeichert. Und auf der Doppelkochplatte wurden die bereits erwähnten Ravioli zubereitet – damals noch klassisch im Topf. Das war früher.

Nun musste ich mich am Herd versuchen. In der letzten Woche war es dann soweit. Nudeln mit Tomatensosse. Ich rief (natürlich) meine Mutter an, um sie nach ihrem grandiosen Rezept zu fragen. Sie diktierte es mir mit einigen Arbeitsanweisungen. Mit dem Zettel lief ich in die Küche und schaute, ob alle Zutaten vorhanden sind. Nudeln fehlten. Ab in den Laden, Spätzle kaufen. Die Stunde der Wahrheit näherte sich. Als (Haus)Mann von Welt noch schnell das Internet gequält. Nudeln nicht abschrecken – check. Kein Öl dran, da sonst die Sosse nicht haftet – check. Prise Salz ins Wasser – check. Und schon ging es los.

Topf mit Wasser gefüllt und auf dem Herd platziert. Schalter auf Stufe 6 gedreht – soll ja schnell gehen, schließlich haben die Kinder Hunger. Und die $BESTEEHEFRAUVONALLEN kommt bald von der Arbeit. Das Wasser fängt langsam an zu blubbern. Währenddessen wähle ich den kleinsten Topf für die Sosse (ein Fehler, wie sich später herausstellte). Das Nudelwasser kocht. Kurz eine Prise Salz und die Nudeln dazu. Doch wieviel? Der Topf füllt sich, ich bin zufrieden. Rund 15 Minuten sollen sie kochen.

Ich arbeite die Liste meiner Mutter ab, bis ich merke, dass die Farbe irgendwie nicht passt. Das Tomatenmark fehlt! Ich greife zum Telefon, doch bei meiner Mutter ist besetzt. Ich schubse beide Töpfe von den Platten, schalte den Herd aus und renne zum nahegelegenen Discounter. Natürlich nehme ich 8 (!) Euro mit, da ich von Preisen keine Ahnung habe. Nach einer für meine Verhältnisse recht kurzen Suche entdecke ich die Tuben – Stückpreis 0,55 Euro. Da ich auch von Mengen keine Ahnung habe, kaufe ich zwei.

Wieder zu Hause angekommen, greife ich erneut zum Telefon. Meine Mutter erklärt mir lachend, das Tomatenmark in einer Tomatensosse wohl normal sei und sie es mir deshalb nicht genannt hatte. Doch was ist schon normal für einen, der im Hauswirtschaftsunterricht mit seinen “Komplizen” Fertiggerichte als seine eigene Kreation ausgab und dafür tolle Noten kassierte? Meine Mutter empfahl eine ganze Tube zu nehmen.

Ich stellte also beide Töpfe wieder auf die Platten und machte weiter. Der Sossentopf war bis zum Rand gefüllt. Jede Rührbewegung versaute mein Ceranfeld. Wie flüssig das war. Wie Suppe. Irgendetwas hatte ich falsch gemacht. Vielleicht hätte ich die Arbeitsanweisungen meiner Mutter befolgen sollen. Die Nudeln, die ja beim Einkauf weiter im warmen Wasser lagen, waren mittlerweile etwas zu weich geraten. Aber abschütten wollte ich sie nicht, da die Sosse ja noch nicht fertig war und sie sonst kalt geworden wären. Geile Logik, nicht wahr?

Meine Frau kam nach Hause. Die Sosse glich noch immer einer Tomatensuppe, die viel zu weichen Nudeln reichten gerade mal für zwei Personen. Die Frau übernahm das Kommando und innerhalb kürzester Zeit konnten wir essen – zumindest jeder eine kleine Portion. Die zweite Ladung Nudeln kochte schon. Dafür war die von mir vorbereitete und gewürzte Sosse, die meine Frau noch etwas endicken konnte, sehr lecker. Selbst unsere Tochter, die sonst kaum Sossen mag und ihre Nudeln meist in Maggi ertränkt, fand sie lecker. Und das will was heißen.

Heute habe ich noch Schonfrist (meine Frau hat Frühschicht), aber für morgen muss ich mir noch etwas einfallen lassen …

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10 Responses to Dr. Houseman

  1. Jens says:

    Deine Tochter isst Nudeln mit Maggi – puh, als ich gestern Miss Bielefeld fragte ob Sie Maggi hätte – im Hinblick auf Nudeln – schaute die mich nur fragend an, ich dachte schon ich wäre allein auf der Welt ;-)

    Übung macht den Meister! Das mit den Pizza-Diensten und Pommesbuden kenne ich allerdings auch, hatte damals einen Stammgriechen, da habe ich angerufen und nur gesagt: “mach mir was zu essen” … die nette Bedienung (wow war das ein Feger) hatte dann die Auswahl aus drei Gerichten die ich halt gerne gegessen habe : Gyros Pommes, Zigeunerschnitzel Pommes oder halt Currywurst Pommes… so hatte ich immer noch eine Überraschung was es gab ;)

  2. Marco says:

    Ähmm, nicht nur auf Nudeln. Ich glaube, sie kippt fast auf alles Maggi ;-)

    Gibt es den Stammgriechen oder die nette Bedienung nicht mehr?

  3. Jens says:

    Die nette Bedienung ist nicht mehr da, aber zu dem Griechen gehe ich hin und wieder noch…

  4. Ralf says:

    Mach Lasagne. Ist zwar immer noch Pillepalle mit Anfassen was das Koch-Level angeht, aber immerhin mindestens 1 Level höher als Nudeln mit Tomatensoße.
    Ansonsten halt Bratkartoffeln mit Bratwurst. Pommes mit Bratwurst. Bratwurst im Brötchen. Bratwursteintopf. Bratwurst mit Bratwurst ….

  5. Marco says:

    @Jens: man kann halt nicht alles haben ;-)

    @Ralf: Welch abwechslungsreiche Bratwurstorgie. Ich glaub, nach einer Woche schiebt mir meine Frau die Bratwurst wo hin …

  6. Anne says:

    Hi Marco!

    Guckst du hier:

    http://www.amazon.de/Wie-koch-ich-Sebastian-Dickhaut/dp/3833801565

    Ist ne Art “Dummie”-Buch, aber eben ein bisschen anders als die anderen ;-)
    Kann ich sehr empfehlen.

    LG

  7. Martin says:

    Geil!
    Ich will Bilder von er Aktion sehen!
    Beim nächsten Mal bitte!

  8. Marco says:

    Hallo Anne!
    Vielen Dank für den Tipp! Hört sich gut an. Muss ich doch gleich mal in die Mayersche tigern … obwohl … da versacke ich immer stundenlang … ;-)

    @Martin: das hättest Du wohl gerne :twisted:

  9. Ralf says:

    Ich habe drei Kochbücher aus der Aldidente-Reihe. Hat mir schon mehr als einmal das Leben gerettet.

    Ach ja: Fotos wäre wirklich eine gute Idee. Nicht immer nur Autos :-D

    Tschakka! Du schaffst das!

  10. Marco says:

    Aber das ist ein Autolastiges Blog …

    Ich habe übrigens nichts geschafft – aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

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