Als Teilzeitjobber freute ich mich, dass ich heute weder arbeiten musste, noch das irgendwelche Termine anliegen. Es sah ganz danach aus, als bekäme ich heute zu Hause auch mal was getan. Also brachte ich unsere Tochter in den Kindergarten und legte mir auf dem Rückweg einen Schlachtplan zurecht, was ich wann erledigen werde. Doch dann begann der Terror und vorbei war es mit der Ruhe.
Das Telefon schellt. Eine Bekannte, gerade umgezogen und noch ohne Internet. Ob sie mal schnell rein schauen könnte, um online etwas zu überweisen. Na klar, ich bin doch zu Hause.
Gerade fange ich mit dem ersten Punkt auf meiner Liste an, da schellt es an der Tür. Besagte Bekannte. Sie sitzt am Rechner, ich mache weiter. Sie geht wieder. Ich mache weiter.
Bis das Telefon klingelt. Ich hechte los. Unser Sohn teilt mir mit, dass er bei der Oma angekommen ist. Zur Kenntnis genommen, aufgelegt. Weiter gehts.
Gerade richtig in Arbeitswut werde ich erneut vom Telefon gestoppt. Eine Arztpraxis möchte einen Termin stornieren. Ich stimme zu und notiere die Info für meine Frau. Hake dann die erste Aufgabe ab und will mich gerade der nächsten widmen, doch …
… mein Handy piepst. Eine SMS von unserem Sohn. Ich rufe ihn zurück, kläre seine Frage und mache weiter.
Es schellt. Ich drücke die Tür auf und höre ein “Post, danke!”. Schnell mal nachsehen, ob was für uns dabei ist.
Gerade wieder in der Wohnung angekommen klingelt das Telefon. Eine andere Arztpraxis will ebenfalls über einen Termin diskutieren. Ich verweise auf meine Frau und freue mich bereits jetzt auf ein weiteres Telefonklingeln am Nachmittag.
Mittlerweile konnte ich doch schon 3 Punkte auf meiner Liste abhaken, da schellt es an der Tür. Einer dieser vagabundierenden Tiefkühlkostverkäufer steht vor der Tür und fragt nach der Dame des Hauses. Ich wimmel ihn ab. Aber er “droht” wieder zu kommen. Ich sage, dass ich mich freue, jetzt aber keine Zeit mehr habe, denn …
… das Telefon klingelt. Eine weitere Bekannte, die unsere Wochenendaktivitäten besprechen möchte. Als das Telefonat endlich vorüber ist, treibt mir der Harndrang zur Toilette. Als bekennender Sitzpinkler habe ich gerade auf dem Keramikthron Platz genommen, als das Telefonat erneut klingelt. Ich lasse laufen und das Telefon weiterklingeln.
Es klingelt erneut. Unser Sohn. Warum ich nicht dran gegangen sei will er wissen und mitteilen, dass er jetzt wieder nach Hause kommt.
Es schellt an der Tür. Ich drücke auf und schaue ins Treppenhaus. Ein Herr schleicht die Treppen hoch, begrüßt mich und fragt, ob denn auch immer alle Werbeblättchen zuverlässig geliefert werden. Ein kurzes Ja genügt ihm nicht, er will Details wissen. Ich beschwöre, dass alles in Ordnung sei, er niemanden entlassen braucht und schliesse die Tür.
Es ist jetzt kurz vor 14.00 Uhr. In rund 5 Stunden hat es hier in einer Tour geschellt und geklingelt. Ich beneide einen Kumpel, der eine abstellbare Klingel hat und davon auch Gebrauch macht. Und damit man nicht telefonisch nachhaken kann, warum er nicht öffnet, zieht er den Telefonstecker aus der Wand und schaltet sein Handy ab. Ich glaube, so mach ich das morgen auch …


Nett, wirklich, tolle Gegend, in der Du da wohnst.
Anscheinend haben da alle Langeweile….. *duckundwech*
Ich für meinen Teil schwöre ja auf ein massivst agressives Türaufreissen, dabei extrem genervt und zornig gucken, und dann ein geschmeidiges mit viel Unterton “WAS?????” – das schreckt die meisten Leute bereits bei der Überlegung ab, evtl. nochmal nerven zu wollen und kürzt das jetztige “Gespräch” auf ein sehr kurzes Minimum!
Diese Klingeln zum abstellen kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Wir hatten sowas früher mal zu hause und es war wirklich praktisch. So wurde man auch am Wochenende nicht früh morgens unsanft aus den Träumen grissen, von lästigen Leuten, die vor der Haustür standen und sich mit einem über die Einstellung zum Leben und gott unterhalten wollten
Beim Telefonproblem würde ich konsequent auf den Anrufbeantworter setzen. Wer nur eine Nachricht hinterlassen will, kann sie hinterlassen, wer nichts dringendes hat, wird nix sagen und sich später nochmal melden und an die Anrufe, die wirklich wichtig sind, kann man dann immer noch drangehen.
@Sven: Langeweile … da wären wir ja wieder bei Deinem Thema
Deine Taktik ist allerdings gut.
@Sascha: AB haben wir, aber aus Macht der gewohnheit gehe ich halt dran, wenn ich zu Hause bin.
was für ein Tag!!!! Du hast wirklich mein vollstes Mitgefühl.
Danke!
Der Folgetag war tatsächlich ruhiger – auch ohne Durchschneiden der Kabel.