Selbstzweifel

Gerade hege ich Zweifel an meinem Geisteszustand. Habe ich wirklich soeben zugesagt, zu einem Fussballspiel mitzugehen?

Kurz zur Erinnerung: ich gehöre zur seltenen männlichen Spezies, die mit Fussball so rein gar nichts anfangen können. Einschränkend muss ich zugeben, wie viele andere, die sich normalerweise nicht für diesen Sport interessieren, Teile der Weltmeisterschaft verfolgt zu haben. Und als der ortsansässige Verein (Alemannia Aachen) nach langer Zeit mal wieder in der 1. Bundesliga spielte, bekam man davon natürlich auch etwas mit. Nun wird hier ein neues Stadion gebaut, der alte Tivoli wird nur noch 4 mal Austragungsstätte der Heimspiele sein. Doch die Alemannen rutschten wieder in die 2. Bundesliga ab. Egal.

Eben schellt das Telefon, meine Frau geht dran, um kurz danach in schallendes Gelächter auszubrechen. Sie sagt “Frag ihn selbst!” und drückt mir den Hörer in die Hand. Am anderen Ende der Leitung ist mein Schwager in spé, der mich allen Ernstes fragt, ob ich morgen mit ihm ins Stadion gehen will. Ich frage ihn, ob er sich verwählt, meine Einstellung zum Thema Fussball vergessen oder einfach einen zu viel gebechert hat.

Doch dann erklärt er, dass er unserem Sohn ja versprochen hatte, ihn mal mitzunehmen. Und da 2 Kumpels abgesprungen sind, hat er nun noch zwei Karten übrig und fände es gut, wenn ein Erziehungsberechtigter unseres Sohnes mitkäme. Meine Frau steht leider nicht zur Verfügung und somit gibt es morgen ein absolutes Novum, das sich so auch nicht mehr wiederholen wird: der Marco betritt ein Fussballstadion.

Meine Zeitrechnung:
Anfahrt 13.30 Uhr
Platz suchen 13.45 Uhr
Anpfiff 14.00 Uhr
Halbzeitpause 14.45 Uhr
2. Halbzeit 15.00 Uhr
Spielende (ohne Nachspielzeit) 15.45 Uhr
Rangeleien und Prügeleien mit Hooligans (heißen die so?) bis 16.15 Uhr
Besuch des Klinikums 16.30 Uhr
Zahlung von 10,- Euro Praxisgebühr und Erstversorgung bis 17.00 Uhr
Wieder zu Hause 17.30 Uhr

= 4 Stunden

Kommt das hin oder hab ich was vergessen?

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9 Responses to Selbstzweifel

  1. Will Sagen says:

    Hehe…
    Bis auf die Wartezeit in der Klinik dürfte die Zeitrechnung aufgehen.

    Dir geht es so wie mir. Ein Freund will demnächst wohl mal mit seinen beiden Kindern aus dem Ruhrpott nach Berlin kommen, wenn Schalke gegen Hertha spielt. Kann sein, dass ich mich dann auch im Schalke-Block wiederfinde. “Steh’ auf, wenn du Schalker bist…”

  2. Marco says:

    Auch nicht schlecht! :mrgreen:

    Meinst Du, ich sollte für den Klinikaufenhalt pauschal 2 Stunden einrechnen? ;-)

  3. Ralf says:

    Du hast den Aufenthalt im Polizeigewahrsam vergessen. Dauert je nach dem zw. 2-24 Stunden. Nimm dir also ein paar Brote und ne Kanne Kaffee mit :D

  4. Maik says:

    Ich zahle seit 25 Jahren monatlich eine Mitgliedsgebühr für einen Fußballclub (z.Z. 3. Liga) und habe diese Zahlung noch nie in Frage gestellt :-) . Besser noch: Ich werde diese nie in Frage stellen…

    Aso: Dieser Club nennt sich Rot – Weiss – Erfurt ;-)

  5. Marco says:

    @Ralf: das wirft meine ganze Rechnung über den Haufen.
    Vielleicht gehe ich dann lieber mit meiner Tochter zum Schwimmen und schicke meine Frau in Gewahrsam zum Fussballspiel. ;-)

    @Maik: Der Mitgliedsbeitrag scheint recht gering, wenn die nur 3. Liga sind. ;-)

  6. barbara says:

    und? Hast du jetzt Blut geleckt?;-)

  7. Will Sagen says:

    Die Wartezeit in der Klinik hängt von der Verletzungsschwere ab. Wenn du noch selber sprechen und gehen kannst, sind 2 Stunden eher knapp. Ich rate zum Liegendtransport ohne Bewusstsein. ;)

  8. geli says:

    Ich würde bei der Anfahrtszeit etwas drauflegen.
    Die Krefelderstr. ist zur Zeit ein einziger Hürdenlauf!
    Spreche leider aus Erfahrung wie Ihr wisst.;-))

  9. Marco says:

    @Barbara: nein, da ich nicht geblutet habe. Dafür hab ich jetzt Rücken.

    @Will: So hätte ich mich auch entschieden, war aber nicht nötig.

    @geli: Wir waren strategisch unterwegs.

    Bericht folgt!

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