[inspic=104,left,fullscreen,thumb]Bereits 1996 kam Dodge auf die recht interessante Idee, den Zehnzylindermotor einer Dodge Viper in einen Pickup zu pflanzen. Damals blieb es allerdings nur bei der Studie. 2002 wurde erneut ein Dodge Ram Pickup mit dem Vipermotor präsentiert, der erste in Serie gebaute SRT-10 verließ im Januar 2004 die Produktionsstätte. Dies war der erste Pickup von Dodge, der definitiv nur auf Leistung ausgelegt war. So wurden Änderungen an der Aerodynamik vorgenommen und auch der übliche Allradantrieb musste dem sportwagentypischen Heckantrieb weichen.
[inspic=105,right,fullscreen,thumb]Die technischen Daten sind für solch einen Koloss sicherlich beeindruckend. Der V10-Motor schöpft aus seinen 8,3 Litern Hubraum knapp über 500 PS. Das gewaltige Drehmoment liegt bei 712 Nm. Diese Performance reichte 2004 für einen Eintrag im Guinessbuch der Weltrekorde als schnellster Serien-Pickup-Truck mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 249 km/h! Nicht schlecht für ein 2,3-Tonnen-Gerät mit einem cW-Wert einer Schrankwand (Spoiler hin oder her).
[inspic=106,left,fullscreen,thumb]Bereits Mitte 2006 war allerdings das Ende des SRT-10 gekommen. Der horrende Verbrauch war sicherlich ein Grund dafür, dass der Wagen selbst in Amerika kaum verkauft wurde. So wurden 2004 nur rund 3.000 Stück gebaut, im Folgejahr waren es nur 1.000 mehr. Daran konnten wohl auch die verschiedenen Sondermodelle nichts ändern. Allerdings hat sich um den SRT-10 eine riesige Fangemeinschaft gebildet. Es gibt diverse Clubs, Internetseiten und Foren, die sich nur mit diesem extremen Pickup beschäftigen.
[inspic=107,right,fullscreen,thumb]Wir schreiben das Jahr 2008. Ein Bekannter, der bereits diverse amerikanische Fahrzeugen sein Eigen nennen konnte und teilweise noch immer kann, rief mich an. “Hast Du eben die Autosendung im Fernsehen gesehen? Die haben da so einen Dodge Ram Pickup gezeigt. Der hat einen Vipermotor! So einen will ich mal fahren!” Ich verneine, gebe aber zu Protokoll, das Modell zu kennen. Stunden später klingelt das Telefon erneut. “Du, ich hab da was bei ebay gefunden. Kannst Du mal gucken?” Ich schaue nach und entdecke einen zu versteigernden SRT-10. Und ich dachte, er will nur mal einen fahren! Irgendwie schien sich aber der Kaufgedanke breit gemacht zu haben.
[inspic=108,left,fullscreen,thumb]Nach etlichen Telefonaten und Diskussionen um Varianten (Einzel- oder Doppelkabine, Schalter oder Automatik, Farbwahl) folgt der letzte Anruf. “Ich hab einen gekauft. Die Anzahlung ist raus. Übermorgen fliege ich rüber!” Ah ja. Nun gut, Reisende soll man nicht aufhalten. Warum er nicht hierzulande geschaut hat? Weil der Dodge Ram in Deutschland offiziell nicht verkauft wird und freie Importeure für einen gebrauchten SRT-10 gerne um die 50.000,- Euro aufrufen. Drüben sind sie für 30.000,- bis 40.000,- Dollar zu bekommen, was bei dem derzeitigen Umrechnungskurs doch eine interessante Preisersparnis ermöglicht.
[inspic=109,right,fullscreen,thumb]Der Verkäufer hatte sogar zwei dieser Sammlerobjekte, die Wahl meines Bekannten fiel auf einen “Night Runner”, eines der bereits erwähnten Sondermodelle. Der Night Runner ist schwarz, hat dunkelgraue 22″-Räder, einen schwarzen Grill und auch am Armaturenbrett einige schwarze Teile. Entsprechende Aufkleber auf den Seiten sowie eine Plakette unterhalb des Touchscreens weisen auf dieses limitierte Modell hin. Gerade einmal 400 Night Runner wurden gebaut. Einige sollen auch in Europa unterwegs sein. Ein weiterer sollte sich dazu gesellen. Vorausgesetzt, dass beim Kauf alles so verlaufen sollte, wie es sich mein Bekannter vorstellte.
[inspic=113,left,fullscreen,thumb]Alles lief weitestgehend gut. Schade war, das vor dem Verladen in den Container der Tank seines – in den Staaten noch recht günstigen – Inhalts “beraubt” wurde. Angeblich durfte der SRT nicht betankt verladen werden. Schon mal in Europa ‘nen SRT-10 vollgetankt und dann der Nadel der Tankanzeige beim Fallen zugesehen? Der Wagen kam relativ unbeschadet in Rotterdam an und mein Bekannter fuhr erstmals selbst mit dem Pickup. Alles funktionierte wunderbar. Bis auf das Navi, das der Meinung war, in der Nähe von Chicago unterwegs zu sein. Europäische Navi-CD? Fehlanzeige.
[inspic=111,right,fullscreen,thumb]Auch uns wurde ein Blick auf den Wagen gegönnt. Der ca. 5,79 m lange und 2,03 m breite Quadcab (Doppelkabine) ist eine imposante Erscheinung. Allerdings kaum zu hören, wenn man nicht mutwillig das Gaspedal Richtung Bodenblech bewegt. Der erste Eindruck, der vermittelt wird, ist, dass es sich um einen ganz schön robusten Pickup handeln muss. Die genauere Betrachtung zeigt allerdings, dass gerade an Front recht viel instabiles Plastikzeugs verbaut wurde. Auch der Motor, der eigentlich recht groß ist, verliert sich im noch größeren Motorraum des schwarzen Riesens und wirkt dort wie ein Dreizylinder im Corsa.
[inspic=112,left,fullscreen,thumb]Im Innenraum warten der bereits erwähnte große Montior, über den die Soundanlage mit Infinity-Boxen samt Subwoofer sowie das Navi gesteuert werden, sowie eine Vielzahl an Instrumenten, die sich nicht nur im Cockpit, sondern sogar in der A-Säule befinden. Fast-and-Furious lässt grüßen! Zumindest können so alle relevanten Daten erfasst werden und bekommt direkt mit, wenn der Monstermotor mal ein Problem aufweisen sollte. In Richtung Dachhimmel ist noch eine Anzeige zu finden, die über den aktuellen Verbrauch informiert.
[inspic=110,right,fullscreen,thumb]Diese konnte ich dann wenige Tage später in Aktion erleben. Die kurze Fahrt durch die Stadt war eher langweilig, da es kurz zuvor geregnet hatte und Fahrbahn noch entsprechend feucht war – ein Zustand, mit dem der SRT-10 nichts anfangen kann. Als die Ampel auf grün umspringt, tritt mein Bekannter relativ behutsam auf das kleinere der beiden Pedale. Sofort verliert der Koloss die Traktion und die Hinterachse springt wie ein Flummi über den Asphalt. Also Fuß vom Gas, die Automatik ein , zwei Gänge weiterschalten lassen und rollen. Im Rollbetrieb dreht der Motor knapp über 1.000 U/min. und der Wagen rollt mit rund 40 km/h durch die Stadt. Die Verbrauchsanzeige zeigt ca. 27 Liter an. Beim Stand an der nächsten Ampel und einer Leerlaufdrehzahl von unter 1.000 U/min. sind es immerhin noch 20,3 Liter – Tendenz steigend!
Wenn es mal schön ist, darf ich vielleicht auch mal eine Runde drehen. Dann folgt ein Fahrbericht! So stay tuned …


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